Die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind in mancher Hinsicht auch das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Die Einwanderernation ist sehr stolz auf ihre größtenteils europäische Abstammung und ein sehr großer Teil der Amerikaner hat deutsche Vorfahren. Das heißt jedoch nicht, dass wir Europäer uns in jeder Hinsicht mühelos bei unseren amerikanischen Vettern zurechtfinden. Natürlich sind die Amerikaner eigentlich immer freundlich und „relaxed“. Doch es gibt durchaus gewisse Verhaltensregeln und Einstellungen in den USA, die uns ziemlich fremd und eigenwillig erscheinen.

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Fettnäpfchen:

Beim Umgang mit dem starken Arm des Gesetzes sollte man Umsicht walten lassen. Die obligatorischen Sicherheitsmaßnahmen (z.B. Fingerabdrücke, genaue Gepäckkontrollen) bei der Einreise, die sich durchaus längere Zeit hinziehen können, lässt man mit Gleichmut über sich ergehen. Der auszufüllende Fragebogen mag Fragen enthalten, die wie ein Scherz anmuten. Sie sind jedoch bitterernst gemeint! Lassen Sie sich also nicht dazu hinreißen, diese fehlerhaft oder ausweichend zu beantworten. Dieser Visumantrag muss bereits vor der Abreise auf der entsprechenden Website der US-Einreisebehörde ausgefüllt werden; siehe dazu den entsprechenden Verweis auf unserer Link-Seite. Verkneifen Sie sich bitte auch den Scherz über die Bombe im Handgepäck und ähnliches, wenn Sie gigantischen Ärger gleich am Flughafen vermeiden wollen.

So schwer es auch fällt, halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sie liegen in den verschiedenen Staaten zwischen 55 und 80 Meilen pro Stunde. Wird man von einem Polizeifahrzeug verfolgt und das Blaulicht geht an, so ist das als Aufforderung zu verstehen, rechts ranzufahren. Bei einer Verkehrkontrolle verhält man sich ganz ruhig, bleibt im Auto sitzen, folgt den Anweisungen der Polizei und legt als Fahrer am besten die Hände gut sichtbar auf das Lenkrad. Auch die anderen Fahrzeuginsassen sollten ruhig bleiben und nicht in Taschen herumwühlen oder ähnliches. Der Sheriff taucht, wie im Film, sehr gerne mit einer ungesicherten Waffe im Halfter auf. Bei einer unbedachten Bewegung können Sie diese nicht nur bewundern, sondern bekommen unter Umständen auch noch demonstriert, wie gut er damit umgehen kann.

In den USA tragen viele Leute offen oder verdeckt Schusswaffen mit sich herum. Daher sollte man jegliche Auseinandersetzung meiden und bei einem eventuellen Überfall keine Gegenwehr leisten. Außerdem gibt es in den großen Städten Viertel, die man, insbesondere als Weißer, meiden sollte, um sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben. Fragen Sie bitte vor Ort nach, die Einheimischen können Ihnen da ganz konkrete Ratschläge geben.

Das Thema Alkohol wird in den USA auch nicht besonders relaxed gehandhabt. Unter 21 bekommt man normalerweise gar keinen Alkohol. Das Alter wird meist streng kontrolliert! Ein gemütliches Bierchen unter einem Baum im Park führt zu einem bösen Konflikt mit den Hütern des Gesetzes. Alkoholische Getränke dürfen weder offen transportiert (auch nicht im Auto, höchstens im Kofferraum ist es akzeptabel) noch in der Öffentlichkeit konsumiert werden. Und lassen Sie sich bitte auf keinen Fall am Steuer bei einem tiefen Schluck aus der Pulle erwischen! Wer auf der Straße mit einer schlichten braunen Tüte herumläuft, trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gutes Tröpfchen mit sich herum, denn das ist die einzige akzeptable Transportmöglichkeit. Der Verkauf von Alkohol ist an Sonntagen meistens eingeschränkt oder ganz verboten. Die sogenannten "Dry Counties", von denen es in den USA einige gibt, sind keine Gebiete mit besonders geringen Niederschlagsmengen, sondern Landkreise, in denen überhaupt keine alkoholischen Getränke erhältlich sind. Außerdem besitzt nicht jedes Restaurant eine Schanklizenz. Daher erlauben manche Wirte ihren Gästen, eigene alkoholhaltige Getränke mitzubringen. Trunkenheit ist übrigens an sich schon ein strafwürdiges Vergehen und Zurückhaltung daher angebracht.

Das Rauchen ist in den USA in Flugzeugen und öffentlichen Gebäuden grundsätzlich verboten. Selbst in Gaststätten gibt es (wenn überhaupt) lediglich kleine Raucherbereiche. Vor allem ist der Glimmstengel inzwischen gesellschaftlich so geächtet, dass Rauchen an sich schon als primitiv und rücksichtslos gilt und man als Raucher häufig schief angesehen wird. Zigarettenautomaten sucht man übrigens vergeblich. Besondere Rücksichtnahme und eine genaue Beachtung der Verbote ist in jedem Fall anzuraten. Wer in den USA arbeiten möchte, hat als Raucher bei vielen Firmen schlechtere Einstellungschancen.

Der Besitz von Drogen wird seit einigen Jahren besonders streng geahndet. Dass jemand zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wird, weil bei ihm eine geringe Menge Crack gefunden wurde, ist keine Ausnahme. Ausländische Touristen genießen keine Sonderbehandlung!

Bei einem Restaurantbesuch bleibt man zunächst am Eingang stehen und wartet, bis einem ein Tisch zugewiesen wird. Man lässt sich nicht unaufgefordert nieder, schon gar nicht bei anderen, unbekannten Gästen. Der Kellner wird sich normalerweise vorstellen und Sie mit der typisch amerikanischen Freundlichkeit bedienen. Sollte am Essen etwas nicht stimmen, so können Sie dies auch offen sagen. Der Kellner wird sein Möglichstes tun, um für Abhilfe zu sorgen und Sie zu einem zufriedenen Gast zu machen. Das Wort „Service“ stammt nicht zufällig aus dem Amerikanischen.

Unternehmen Sie bitte nicht den Versuch, den Mitessern einen guten Appetit zu wünschen. Es gibt im Englischen einfach keine passende Entsprechung dafür und der Amerikaner verspürt auch gar nicht das Bedürfnis, eine derartige Äußerung zu machen.

Essen gehen ist für Amerikaner nicht die abendfüllende Beschäftigung wie bei uns. Nach dem Mahl zahlt man die Rechung und bricht dann alsbald auf. Im Restaurant noch lange herumzusitzen gilt als ungewöhnlich bis unhöflich. Bei der Nahrungsaufnahme gibt es noch einen Unterschied: Amerikaner schneiden zuerst Fleisch, Kartoffeln, Gemüse etc. mit Messer und Gabel, legen dann das Messer aus der Hand, nehmen die Gabel in die rechte Hand (bei Rechtshändern) und lassen die linke Hand unter dem Tisch verschwinden. Unsere Art und Weise, mit Messer und Gabel zu hantieren erscheint Amerikanern als ziemlich affektiert.

Die Rechnung wird, wie in fast allen Ländern, auch in den USA für den ganzen Tisch ausgestellt. Es ist üblich, großzügig Trinkgeld zu geben (15 bis 20% des Nettobetrags). Sollte der Service wirklich schlecht gewesen sein, so vermindert man diese Summe ein wenig. Gar kein Trinkgeld zu geben gilt fast schon als Akt der Feindseligkeit. Bezahlt wird in Amerika eigentlich nur noch mit Kreditkarte, alles andere wird als etwas ungewöhnlich angesehen. Wer bar bezahlt, könnte in den Verdacht geraten, nicht kreditwürdig zu sein.

Die in Supermärkten oder auf den Speisekarten angegebenen Preise gelten netto. Vor dem Bezahlen wird darauf noch die so genannte Sales Tax aufgeschlagen, die in etwa unserer Mehrwertsteuer entspricht. Einen einheitlichen, in den gesamten USA geltenden Steuersatz gibt es jedoch nicht. Die Höhe der Sales Tax ist von Staat zu Staat, teilweise sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Wenn man einkalkuliert, dass zum reinen Warenpreis noch maximal 10% dazukommen, liegt man auf jeden Fall richtig.

Man stellt sich in den USA mit den Worten vor, „Hi, I’m Jim (falls der Sprecher Jim heißt, ansonsten setze man unbedingt den jeweiligen Vornamen ein). How are you?“ Dieses „How are you?“ darf nicht mit einer echten Frage nach dem Befinden verwechselt werden, es handelt sich lediglich um einen (wichtigen) Bestandteil der Begrüßung. Die korrekte Antwort lautet etwa: „Fine. I’m Sarah (siehe oben!). How are you?“. Danach stellt man in der Regel noch seine Begleiter namentlich vor. Bekannte begrüßt man dann mit den Worten: "Hi Sarah! How are you?" Das namentliche Vorstellen nimmt in den USA einen hohen Stellenwert ein, gleichzeitig gibt man sich aber eher locker und formlos. Bei der ersten Begrüßung reicht man sich meist die Hand, bei späteren Begegnungen aber eher nicht mehr. Allgemein berührt man sich in den USA weniger als in Europa. In einem geschäftlichen Kontext läuft das Begrüßungsritual etwas förmlicher ab. Man spricht sich zunächst möglicherweise mit Mr. Smith oder Mrs. Grant an, wechselt dann aber relativ schnell zum Gebrauch des Vornamens. Man sollte dies nicht als plump-vertraulich ansehen. Dadurch ist eine gewisse angemessene Distanz zwischen den Gesprächspartnern keinesfalls aufgehoben.

Amerikaner geben sich gerne jovial und freundschaftlich. Erhält man jedoch von jemandem eine Einladung nach Hause, was sehr leicht vorkommen kann, sollte man nicht sofort darauf eingehen. In den meisten Fällen ist das lediglich ein Ritual, das Offenheit demonstriert. Eine Einladung ist erst dann ernst gemeint, wenn sie sehr konkret ausgesprochen wird und Ort, Tag und Uhrzeit genannt werden.

Erwarten Sie von Amerikanern keinerlei Fremdsprachenkenntnisse. Sicher, auch an amerikanischen Schulen wird Französisch, Spanisch, ja manchmal sogar Deutsch gelehrt. Aber nur nebenbei und nicht so richtig ernsthaft. Schließlich spricht man die Weltsprache Englisch! Falls Sie Ihr Englisch aufpolieren möchten oder müssen, finden Sie dazu umfangreiches Material im Shop.

Bei Parties oder privaten Runden wird nicht mit pünktlichem Erscheinen gerechnet. 10 bis 20 Minuten Verspätung sind normal.

In der Öffentlichkeit mit Amerikanern ins Gespräch zu kommen ist relativ leicht. Tabuthemen sind dabei Alter, Religion und Sex. Die Konversation kann durchaus sehr offen und persönlich sein, eine Freundschaft entsteht daraus aber nicht so ohne weiteres. Amerikaner, besonders auch Kellner, Verkäufer usw., sind immer sehr höflich und geduldig. Man sollte das nicht allzu sehr ausnutzen. Besonders im Arbeitsleben, aber auch im privaten Umfeld, vermeidet man Kritik. Europäer, die es gewohnt sind, mit Kritik offener umzugehen, treten in den USA sehr leicht gewaltig ins Fettnäpfchen. Ist Kritik unvermeidlich, so verpackt man sie in höfliche, indirekte Formulierungen.

Geschäftliche Vorträge sind in den USA kurz, kommen sehr schnell zum Punkt und enthalten immer einige unterhaltsame Elemente. Die typisch deutsche Art des Vortrags, bei der viel Hintergrundwissen vermittelt und Analysen vorgestellt werden, gilt in Amerika als zu langatmig und trocken.

Die Ziffer 1 schreibt man in den USA als senkrechten Strich ohne Häkchen. Um Verwechslungen mit der 7 zu vermeiden, sollte man sich möglichst anpassen.

So englisch es auch klingen mag, das Substantiv "Handy" ist ein deutsches Wort! In Amerika weiß niemand, was damit gemeint ist. Die korrekte amerikanische Bezeichnung lautet "cell phone".

Wir pflegen gerne das Klischee, die Amerikaner seien ungebildet. Tatsache ist, dass viele Amerikaner sehr wenig über Europa wissen. Man muss dabei bedenken, dass Amerika ein so riesiges Land ist, dass man genug damit zu tun hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dies spiegelt sich sehr deutlich in den amerikanischen Medien wider, die fast nur über Innenpolitik berichten. Europa ist meist noch nicht einmal ein außenpolitischer Krisenherd und daher nur ab und zu eine Randnotiz wert. Übrigens wissen die meisten Europäer auch sehr wenig über die USA!

Widmen wir uns nun dem, was wir aus unserer Perspektive heraus gerne als „typisch amerikanische Prüderie“ bezeichnen: Am Strand oder im Schwimmbad tragen Männer am liebsten Boxershorts oder ein noch etwas größeres Hosenkaliber. Die Badehose im europäischen Normalmaß ist zwar nicht verboten, erregt aber leicht Aufsehen. Sich ein Stück weit anzupassen ist in jedem Fall weise. Frauen sind bei Badeanzügen und Bikinis nicht so eingeschränkt, wohl aber beim Baden oben ohne. Das ist nämlich nicht nur verpönt, sondern schlichtweg verboten. Frauen sollten möglichst auch keinerlei Körperbehaarung aufweisen. Wer nun meint, sein Kleinkind ohne Badekleidung herumlaufen lassen zu können, der sieht sich getäuscht. Es gibt keine Ausnahmen vom Nacktbadeverbot! Zum Umkleiden sollte man unbedingt die bereitgestellten Kabinen benutzen. Die Badehose unter dem Handtuch zu wechseln gilt als unschicklich. Das Wort „toilet“ steht zwar in jedem Wörterbuch, wird aber konsequent vermieden, weil es als ordinär gilt. Die Worte „restroom“ oder „bathroom“ stellen eine nette, harmlose Alternative dar.

Wenn man so manchem amerikanischen Rocker oder Rapper zuhört, könnte man auf den Gedanken kommen, dass in den USA sehr ausgiebig geflucht wird. Besonders das Wort "fuck" in allen möglichen Variationen scheint sehr in zu sein. In der amerikanischen Mainstream-Gesellschaft ist in Wirklichkeit das genaue Gegenteil der Fall. Wer im privaten oder gar geschäftlichen Umfeld mit Kraftausdrücken um sich wirft, wird schnell als primitiv eingestuft und eventuell sogar gemieden. Und in den amerikanischen Medien schlägt die Zensur bei Flüchen und anderen verstößen gegen die gängigen strengen moralischen Vorstellungen gnadenlos zu. Die besagten Musiker nutzen diese Tatsache gerne, um zu provozieren und sich (und sei es auch nur aus Marketing-Gründen) als Angehöriger der Subkultur darzustellen. Den Marktwert ausländischer Touristen vermögen Kraftausdrücke nicht zu heben, ganz im Gegenteil!

Tipp: Amerikaner pflegen eine sehr stark romantisierte Vorstellung vom guten, alten Europa. Wenn Sie sagen, dass Sie aus Deutschland kommen, dann entsteht vor den Augen Ihres amerikanischen Gegenübers meist ein buntes Gemälde mit hohen Bergen, grasenden Kühen und Menschen in Lederhosen und weiten, langen Röcken. Nutzen Sie dieses Klischee ruhig bei der Auswahl eines Gastgeschenks! Steinerne Bierkrüge, Kuckucksuhren und ähnliche Gegenstände, die wir uns nie kaufen würden, stehen bei unseren amerikanischen Freunden sehr hoch im Kurs. Selbstverständlich eignen sich auch typische Nahrungs- oder Genussmittel. Von sehr deftigen Spezialitäten, wie etwa Blutwurst, sollte man allerdings die Finger lassen, um den amerikanischen Gastgeber nicht in eine leichte Übelkeit zu treiben.

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