Thailand

Eines der klassischen Fernreiseziele, Thailand, ist in unserer Vorstellung der Inbegriff der Exotik. Das tropische Klima, die üppige Vegetation, die Sandstrände an der Westküste, die schwimmenden Märkte Bangkoks, die vielen reizvollen buddhistischen Tempel, aber auch die freundlichen, so unkompliziert wirkenden Menschen machen Thailand zu einem absoluten Traumziel. Doch hinter der auf den Westen ausgerichteten Fassade steckt das eigentliche Thailand, das "Land der Freien", das, im Gegensatz zu seinen Nachbarn, nie von den großen europäischen Kolonialmächten beherrscht wurde. Hier entwickelte sich eine recht eigenständige und selbstbewusste Kultur, die stark durch den Buddhismus geprägt ist und sich uns Menschen aus dem Westen erst auf den zweiten Blick erschließt. Schwer nachzuvollziehen ist für uns auch der sehr ausgeprägte Aber- und Geisterglaube, der den Alltag der Thais zum Teil sehr stark prägt und nicht unkomplizierter macht.

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Fettnäpfchen:

Dass Thailand ein buddhistisches Land ist, erkennt man schon an der Vielzahl von Buddha-Statuen, die an Tempeln - aber nicht nur dort - aufgestellt sind. Keinesfalls darf man sich dazu hinreißen lassen, sich auf eine solche Statue zu setzen oder gar zu stellen, etwa um sich fotografieren zu lassen. Eine solche Entweihung kann leicht dazu führen, dass man zu einer längeren Besichtigung eines thailändischen Gefängnisses eingeladen wird, dessen Spaßfaktor, wie man hört und liest, relativ gering ist. Man sollte auch keine Buddha-Figuren als Souvenir mitnehmen, da deren Ausfuhr verboten ist.

 

Die Thais haben ein sehr ausgeprägtes Nationalbewusstsein (ja sogar Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Nationen), das sich unter anderem darin äußert, dass im Alltag und bei besonderen Anlässen häufig die Nationalhymne gespielt wird. Als Ausländer sollte man unbedingt von jeglicher Respektlosigkeit gegenüber nationalen Symbolen Abstand nehmen. Die zentrale Integrationsfigur der thailändischen Nation ist der König namens Bhumipol. Ihm und seiner Familie wird eine Verehrung entgegengebracht, von der andere Monarchen nur träumen können. Bilder des Königs haben in öffentlichen und privaten Gebäuden einen Ehrenplatz. Auch thailändische Geldscheine tragen das Konterfei des Staatsoberhaupts. Daher wird jede Art der respektlosen Behandlung thailändischer Banknoten sehr missbilligend beäugt. So mancher Tourist, der auf einem Geldschein herumgetrampelt ist, fand sich anschließend vor Gericht wieder.

Die thailändische Gesellschaft ist sehr stark hierarchisch gegliedert. Für einen Thai ist es daher sehr wichtig, möglichst schnell herauszufinden, welcher sozialen Schicht sein Gegenüber angehört. Als wichtiger Anhaltspunkt dient beispielsweise die Kleidung. Bei Ausländern unterstellt man automatisch einen hohen sozialen Rang, denn erstens sind diese Gäste und zweitens vermutet man, dass sie eine Menge Geld besitzen. Wenn nun Ausländer sich schmuddelig kleiden (was in Thailand nur arme Leute tun) oder Touristinnen sehr freizügige Kleidung tragen (in der thailändischen Gesellschaft ein untrüglicher Hinweis auf eine Prostituierte oder Angehörige einer ähnlichen Berufsgruppe mit geringem Ansehen), so sind Thais sehr irritiert. Als Ausländer sollte man sich in Thailand also unbedingt sauber und ordentlich kleiden und auf ein gepflegtes Äußeres achten.

 

Je nach sozialem Status fällt in Thailand auch die Begrüßung sehr unterschiedlich aus. Begegnen sich zwei etwa gleichrangige Personen, so legen sie die Hände mit den Handflächen (mit ausgestreckten Fingern) vor der Brust zusammen und sehen sich in die Augen. Da Sie sich als Ausländer normalerweise in der höheren Stellung befinden, genügt ein Kopfnicken in Verbindung mit einem Lächeln. Nützlich sind auch die Begrüßungsformeln "sawadtii khap" (von Männern zu verwenden) bzw. "sawadthii khaa" (von Frauen zu verwenden), die zu jeder Tageszeit zur Begrüßung und Verabschiedung gebraucht werden können. Mit unserem Händeschütteln können nur sehr wenige Thais etwas anfangen. Vor allem zwischen den Geschlechtern sollte außerdem jeder Körperkontakt in der Öffentlichkeit vermieden werden.

 

Nur wenige Thais können einigermaßen gut Englisch. Einige Wörter und Redewendungen auf Thai sind daher sehr nützlich. Gute Sprachführer und Kursmaterial finden Sie im Shop. Wenn Sie jemanden etwas fragen wollen, sollten Sie das betont höflich und ruhig tun. Besonders bei Frauen sollte man sehr zurückhaltend sein und diese nicht durch Antippen oder andere Berührungen auf sich aufmerksam machen.

 

Die Thais sind im allgemeinen zurückhaltend und man wird eher weniger häufig angesprochen als in machen anderen Ländern. Andererseits betrachtet man Ausländer mit großer Neugier. Floskeln wie "hey you" sind nicht so unhöflich gemeint, wie sie in unseren Ohren klingen. Sie sind in vielen Fällen das einzige, was der karge Englisch-Wortschatz hergibt. Ist die Kontaktaufnahme geglückt, wird der Ausländer gerne nach Strich und Faden ausgefragt. Man darf auch höflich eine Antwort auf zu persönliche Fragen verweigern. Auf keinen Fall sollte man erwarten, dass aus so einem Gespräch eine Freundschaft entsteht. Die Beziehungen zwischen den Thais und erst Recht zwischen Thais und Ausländern sind meist sehr oberflächlicher Natur. Manche Thais (vor allem auch Mönche) sprechen Ausländer an, um ihr Englisch zu üben. Andere wollen ihre Waren verkaufen, gewisse Frauen (die sich durch ihre Aufmachung deutlich von "normalen" Thailänderinnen unterscheiden) bieten auch offensiv ihre Liebesdienste an.

 

Eine direkte Verneinung einer Frage oder die direkte Zurückweisung einer Bitte vermeidet man in Thailand. Stattdessen reagiert man mit einem Lächeln. Daraufhin auf seinem Anliegen zu beharren, wäre eine nicht angemessene Reaktion.

 

Überhaupt ist das Lächeln in Thailand ein Gebot der Höflichkeit. Wer nicht lächelt, gilt daher als unhöflich, eventuell sogar als böswillig. Unhöflich ist es auch, sehr laut und eindringlich zu sprechen, in der Öffentlichkeit zu schreien oder jemanden während des Gesprächs zu unterbrechen. Durchaus akzeptabel ist es jedoch, sich in einer Warteschlange vorzudrängeln, wenn man es nur beiläufig und unauffällig genug tut. Will man sich gegen einen solchen Drängler zur Wehr setzen, sollte man dabei unbedingt ebenso nonchalant vorgehen.

Man vermeidet auch jede direkte Kritik, die zu einem Gesichtsverlust des Getadelten führt. Besonders öffentliche oder sehr persönliche Kritik führt leicht zu einer lebenslangen Feindschaft und unter Umständen zu einer sehr heftigen (gewaltsamen) Reaktion. Beleidigen kann man Thais aber auch leicht, indem man ihnen "Tipps" gibt oder ihnen erklärt, dass jemand anders etwas besser macht oder etwas besseres hat, als sie selbst. Jegliche negative Äußerung über Land und Menschen unterlässt man besser, denn Thais sind es gewohnt, sehr darauf zu achten, dass sie durch Äußerungen niemanden auch nur im entferntesten verletzen. Verstößt jemand gegen diese Regeln, so bringt sie das leicht aus dem Takt und sie reagieren möglicherweise ungehalten. Man schmeichelt anderen auch viel lieber, als ihnen eine (negative) Wahrheit zu sagen und damit die herrschende Harmonie zu zerstören.

 

Jede Form der Unbeherrschtheit, etwa in Form des ständigen Nörgelns über alles und jeden, des öffentlichen Austragens von Konflikten oder eines Wutausbruchs, führt unweigerlich zu einem Ansehensverlust der betreffenden Person. Die buddhistische Lehre fordert in jeder Lage eine maßvolle Reaktion. Ebenfalls dem Buddhismus geschuldet ist die ausgeprägte Bereitschaft der Thais, die Fehler anderer zu vergeben, wenn diese darum bitten. Auch als Tourist sollte man daher nicht vergessen, sich für kleinere oder größere Fehltritte umgehend zu entschuldigen, denn dies ist ein wichtiges Element des täglichen Umgangs.

 

Das Essen ist eine der absoluten Lieblingsbeschäftigungen der Thais. Bedingt durch das schier unendliche Angebot an Zutaten ist die thailändische Küche unglaublich abwechslungsreich und wohlschmeckend, für den europäischen Gaumen aber oft auch ziemlich scharf. Traditionell isst man mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger der rechten Hand, die linke Hand gilt als unrein und darf nicht benutzt werden. Man formt dabei ein Reisbällchen, mit dem man dann die anderen Gerichte aufnimmt. Besonders in den größeren Städten werden aber immer öfter Löffel und Gabel gereicht. Essstäbchen, die man vielleicht erwarten würde, bekommt man nur ganz selten, zum Beispiel zu Nudelgerichten.

 

Wenn man es sich leisten kann, geht man gerne ins Restaurant. Am liebsten nimmt man die Familie oder möglichst viele Freunde mit. Da man sich nicht die Mühe machen will, alles auseinander zu dividieren, wird die Rechnung von einer Person übernommen. Wenn ein Ausländer dabei ist, von dem man selbstverständlich annimmt, er sei reich, geht man häufig davon aus, dass dieser für alle bezahlt. Zeigt man sich beim Restaurantbesuch knausrig, so sinkt man zwangsläufig in der Gunst des Personals. Ein Trinkgeld in Höhe von 10% des Rechnungsbetrags sollte man schon mindestens geben.

 

Bei einer Einladung nach Hause zieht man am Eingang auf jeden Fall die Schuhe aus. Denn diese kommen mit dem Straßenschmutz in Berührung und schützen die Füße, die als unedle Körperteile angesehen werden. Thais sitzen normalerweise auf dem Boden. Wenn man Glück hat, wird einem als Ausländer ein Stuhl oder ähnliches bereitgestellt. Geschenke erwartet man nur zu besonderen Anlässen, wie Geburtstag etc. Sachgeschenke sollten möglichst ansprechend verpackt sein, Geld steckt man in einen Umschlag. Das Geschenk wird mit beiden Händen überreicht, der Beschenkte legt es dann beiseite. Sofort die Verpackung aufzureißen gilt als gierig. Die ausgeprägte thailändische Gastfreundschaft gebietet es, dass der Gast mit allem möglichem Ess- und Trinkbarem versorgt wird.

 

Als Tourist wird man seltener mit der allgegenwärtigen Korruption konfrontiert werden. Will man jedoch in Thailand Geschäfte machen, so wird man bald feststellen, dass vieles plötzlich besser läuft, wenn man seinem Geschäftspartner gewisse Gefälligkeiten in Form von großzügigen Einladungen oder Geschenken erweist.

 

Besonders im thailändischen Geschäftsleben darf man bei Angestellten oder Partnern leider nicht unbedingt mit Fleiß, Loyalität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit rechnen. Die buddhistische Lehre fordert zwar die meisten dieser Tugenden, die jedoch häufig einem kurzsichtigen Materialismus und einer weit verbreiteten Vergnügungssucht geopfert werden.

Kritik am thailändischen Staat, am Buddhismus, an den Mönchen, vor allem aber am Königshaus, sind absolute Tabuthemen. Überhaupt liebt man übermäßig kritische, tiefsinnige Diskussionen nicht besonders. Man pflegt lieber das heitere, amüsante Gespräch. Ganz im Gegensatz zu unserer, erst recht aber zu mancher asiatischen Kultur, ist der Tod jedoch ein Thema, mit dem man sehr ungezwungen umgeht und absolut kein Tabu. Man scheut sich auch keineswegs, anderen sehr persönliche Fragen nach dem Alter, Familienstand oder Einkommen zu stellen.

 

In Thailand ist, wie in vielen asiatischen Ländern, der Straßenverkehr chaotisch bis halsbrecherisch. Besonders vor Lkws und Bussen sollte man sich in acht nehmen. Eine passive Fahrweise erspart viel Ärger.

 

Der Kopf gilt als Sitz der Seele und daher als sehr edles Körperteil. Einen Thai am Kopf zu berühren, ist eine schlimme Beleidigung. In Thailand versucht man sogar, mit dem Rest des Körpers nicht oberhalb des Kopfes eines anderen zu kommen, was in der Praxis natürlich kaum durchführbar ist. Die Füße hingegen gelten als unrein, weil sie mit dem Straßenschmutz in Berührung kommen. Daher darf man mit den Füßen niemanden berühren und weder über jemanden, noch über Nahrungsmittel (die als heilig angesehen werden, dies gilt besonders für Reis), noch über geheiligte Gegenstände (gilt vor allem für Buddha-Figuren) hinwegsteigen.

In Thailand gilt es als Beleidigung, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Noch schlimmer ist es, mit dem Fuß auf jemanden zu zeigen, dies gilt auch für Bilder oder andere Gegenstände, die dadurch entweiht werden. Als provozierend empfinden Thais es auch, wenn sie von jemandem angestarrt werden. Dass Sie als Tourist, wegen Ihres "exotischen" Aussehens, möglicherweise zuweilen angestarrt werden, ändert nichts an der Tatsache, dass man Thais besser nicht längere Zeit zu direkt beobachtet.

 

Auch in Thailand ist das Feilschen beim Einkauf gang und gäbe. Da die meisten Händler von ausländischen Touristen sowieso mehr verlangen, als von Einheimischen, sollte man den Preis auf jeden Fall ein Stück weit zu drücken versuchen. Auf keinen Fall darf man sich dabei erregt zeigen oder gar die Fassung verlieren. Wer ganz locker und homorvoll zu Werke geht, erreicht am meisten. Allerdings besitzen in Thailand geizige Menschen ein geringes Ansehen. Man sollte es also auch nicht übertreiben!

 

Die Thais kennen nur ein sehr beschränktes Repertoire an Gesten und setzen dieses auch nur sehr sparsam ein. Als Besucher sollte man Gesten daher ebenfalls nur zurückhaltend benutzen, denn zum einen werden diese wahrscheinlich sowieso kaum verstanden und zum anderen gelten Leute, die ständig herumzappeln, als unbeherrscht.

 

Einige der zentralen Gedanken dieses Artikels stammen aus dem Buch Kulturschock Thailand von Rainer Krack, das einen hervorragenden Einblick in die Kultur und das Alltagsleben Thailands bietet. Jedem, der sich eingehender mit dem Thema Thailand auseinandersetzen möchte, sei dieses hiermit wärmstens empfohlen.

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