Japan

Japan war Jahrhunderte lang sehr isoliert und hat daher eine ganz eigene Kultur und ganz spezifische Verhaltensregeln entwickelt. In der japanischen Gesellschaft spielt der gesellschaftliche Rang einer Person eine sehr große Rolle. Die Regeln der Einstufung sind für Europäer nur schwer zu durchschauen. Außerdem gibt es einen ausgeprägten Aberglauben und strenge Vorstellungen davon, was man zu tun und zu lassen hat. Man kann als Besucher in Japan im Prinzip relativ viel falsch machen. Allerdings sind die Japaner grundsätzlich äußerst hilfsbereit, besonders gegenüber Ausländern, und bringen durchaus Verständnis dafür auf, dass sich ein Ausländer aus ihrer Sicht ungewöhnlich verhält.

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Fettnäpfchen:

Die traditionelle japanische Art der Begrüßung ist die Verbeugung. Die in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Dabei stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Während der Verbeugung bleibt der Rücken gerade. Männer legen die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Ausländern gegenüber ist man selbstverständlich sehr nachsichtig. Eine mittlere Verbeugung ist für Nicht-Japaner die optimale Lösung.

 

In Japan meidet man jeden Körperkontakt in der Öffentlichkeit. Tun Sie es also am besten den Japanern gleich, möglichst auch gegenüber europäischen Mitreisenden. Der Händedruck ist zwar nicht Teil der japanischen Kultur, bürgert sich aber immer mehr ein. Er bildet die einzige Ausnahme von der genannten Regel. Japaner gehen dabei jedoch sehr behutsam vor und üben nur einen sehr leichten Händedruck aus. Auch vermeidet man es, jemandem direkt in die Augen zu sehen. Japaner richten ihren Blick grundsätzlich auf das Kinn oder den Hals des Gegenübers.

Japaner schätzen keine großen Gesten und ausgeprägten Gefühlsäußerungen. Man spricht nicht mit den Händen. Halten Sie sich am besten ebenfalls zurück. Ein Lächeln drückt Freude aus, kann aber auch bedeuten, dass Ihr Gegenüber nicht einverstanden ist. Eine eindeutige Verneinung wird als unhöflich empfunden. Wenn ein Japaner nicht einverstanden ist, so fasst er dies sehr ausweichend in Worte. Viel Feingefühl und eine gute Beobachtungsgabe sind gefragt, wenn man wirklich herausfinden will, was der Gesprächspartner tatsächlich meint. Mit etwas Übung gelingt das jedoch immer besser. Wenn man etwas von einem anderen möchte, so formuliert man dies zunächst nur sehr indirekt und verklausuliert und geht davon aus, dass der Adressat die wahre Absicht versteht. Auch für einen Menschen aus dem Westen ist es ratsam, sein Anliegen zunächst nur andeutungsweise vorzubringen, statt gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, denn das gilt als äußerst rüpelhaft. Mit dem Finger (oder mit Essstäbchen) auf jemanden oder etwas zu zeigen ist ebenfalls zu direkt und sollte unterlassen werden. Stille ist den Japanern nicht unangenehm. Denken Sie sich also nichts dabei, wenn in einem Gespräch eine längere Pause eingelegt wird.

 

Auf peinliche Situationen bzw. auf einen Gesichtsverlust (etwa durch direkt geäußerte Kritik) reagieren Japaner häufig, indem sie Lachen. Europäer deuten dies meist völlig falsch, was oft zu einer weiteren, unnötigen Eskalation führt.

Seine eigenen Fähigkeiten spielt man in Japan herunter, man gibt sich gerne bescheiden. Gleichzeitig freut man sich insgeheim aber sehr, wenn man von anderen Lob erfährt, das man wiederum relativiert. Ausländer, die sehr von sich eingenommen sind und ganz ungeniert über ihre eigenen Stärken reden, findet man ziemlich befremdlich.

 

Die Kommunikation auf Englisch ist nicht unproblematisch. Viele Japaner sprechen zwar zumindest etwas Englisch, das auch in Japan als „in“ gilt, doch in der Provinz, oder etwa bei Taxifahrern, kann man nicht unbedingt davon ausgehen. Die japanische Sprache besitzt eine Vielzahl an englischen Lehnwörtern, die jedoch im japanischen Alphabet geschrieben und somit in das japanische Lautsystem „gepresst“ werden. Dadurch sind die ursprünglichen englischen Wörter oft kaum wieder zu erkennen. Dies prägt die Aussprache der Japaner im Englischen, die wir als ungewöhnlich empfinden, den Japanern geht es mit uns allerdings ebenso. Man sollte also mit viel Geduld und Nachsicht zu Werke gehen. Mit einigen japanischen Floskeln können Sie natürlich enorm punkten. Gute Sprachführer gibt es im Shop.

 

Wenn Sie in Japan geschäftliche Beziehungen anknüpfen wollen, sollten Sie zeigen, dass es bei Ihrer Firma nicht auf jeden Cent ankommt. Wenn sich jemand zum Beispiel nicht in einem Spitzenhotel einquartiert, kann es mit seinem Unternehmen nicht weit her sein. Am besten reist man mit einer kleinen Delegation von Fachleuten an und bringt eine Menge an gut aufbereitetem Material über Zahlen und Fakten mit. Kompetenz und gute Vorbereitung sind ganz entscheidende Faktoren für den geschäftlichen Erfolg in Japan. Vorteilhaft ist es auch, vor Ort in Japan jemanden zu haben, der einen dem Firmenchef vorstellt, denn persönliche Kontakte werden als sehr wichtig angesehen.

 

Bei geschäftlichen Besprechungen ist es dem Japaner wichtig, sein Gegenüber erst einmal zu "beschnuppern". Man spricht zunächst über die Anreise, Hobbies, die Familie oder ähnliches. Erst danach kommt man dann zum Punkt.

 

Visitenkarten sind in Japan im Geschäftsleben absolut unentbehrlich. Man tauscht seine Visitenkarten aus, nachdem man sich vorgestellt hat. Die darauf enthaltenen Informationen erlauben es dem Japaner, sein Gegenüber einzustufen, also seinen Rang in der Firmenhierarchie zu erkennen. Erst dann weiß er sozusagen, mit wem er es zu tun hat. Dies ist ganz entscheidend für den Umgang mit dem Gesprächspartner. Man überreicht seine Karte mit beiden Händen und nimmt die Visitenkarte des Gegenübers ebenfalls mit beiden Händen an. Dann betrachtet man diese zunächst eingehend. Dies gilt als Zeichen des Respekts und Interesses. Danach sollte man die Karte auf keinen Fall achtlos in der Hosentasche versenken, denn das wäre ein Zeichen der Missachtung des Gesprächspartners. Am besten man behält sie einfach in der Hand. Man sollte auch keine Notizen darauf machen.

 

Sämtliche Dokumente, die man bei uns unterschreibt, werden in Japan mit einem Namensstempel ("Inkan" oder "Hanko") versehen. Bei einem längeren Japan-Aufenthalt kommen Sie nicht umhin, sich einen solchen anfertigen zu lassen. Wenn Sie geschäftlich mit einer japanischen Firma zu tun haben, erkundigen Sie sich am besten bei Ihren Gesprächspartnern, ob - etwa für eine Vertragsunterzeichnung - so ein Stempel vonnöten ist und wo Sie diesen in Auftrag geben können.

 

Japan hebt sich in mancherlei Hinsicht deutlich von anderen Ländern Asiens ab. Jeglicher Versuch, einen japanischen Beamten durch ein kleines Geschenk im eigenen Sinne zu beeinflussen (man nennt das auch Bestechung), ist zum Scheitern verurteilt. Auch das Feilschen ist unüblich. Man verlässt sich auf die Fairness des Ladenbesitzers und bezahlt einfach den angegebenen Preis. Außerdem wird man in Japan feststellen, dass zum Beispiel der Personennahverkehr sehr gut organisiert ist und zuverlässig funktioniert. Pünktlichkeit ist eine wichtige Tugend. Wer es, vor allem im Geschäftsleben, mit dem Erscheinen bei Terminen nicht so genau nimmt, sammelt Minuspunkte. Abfall auf den Boden zu werfen ist in Japan nicht nur verpönt, es kann auch mit empfindlichen Strafen belegt werden.

 

Die Orientierung in japanischen Städten ist ein ziemlich schwieriges Kapitel, denn innerhalb der Viertel werden Häuser nach der Reihenfolge ihrer Errichtung numeriert. D.h. die Nummer 2 steht meist weder neben Nummer 1 noch neben Nummer 3. In öffentlichen Gebäuden hängen oft nützliche Lagepläne aus. Am besten lässt man sich von einem Ortskundigen an einem prägnanten Treffpunkt abholen.

 

Wenn Sie in ein Restaurant eingeladen werden, so ist es üblich, dass der Gastgeber für Sie bestellt und bezahlt. Sie können sich gerne revanchieren, indem Sie sozusagen „zu sich“, also in ein westliches Restaurant einladen. Trinkgeld ist in Japan absolut unüblich, denn man geht davon aus, dass ein hervorragender Service geboten wird, der nicht ausdrücklich belohnt werden muss.

Suppen und Nudeln werden in Japan grundsätzlich geschlürft. Dies ist ein Zeichen des Genusses. Tun Sie das nicht, so wird man vermuten, dass Ihnen das Essen nicht schmeckt. Frauen sollten dabei etwas zurückhaltender sein als Männer. Rülpsen ist jedoch in Japan nicht akzeptabel (in China sehr wohl!). Sich öffentlich mit einem Taschentuch die Nase zu putzen gilt jedoch als ungehörig.

Den Umgang mit Stäbchen sollten Sie vor Ihrer Reise unbedingt üben. Absolut tabu ist es, die Essstäbchen senkrecht in den gekochten Reis zu stecken, denn das tut man in Japan mit Räucherstäbchen, wenn man den Geistern der Verstorbenen ein Opfer darbringt. Es handelt sich also um einen deutlichen Hinweis auf den Tod. Man darf auch kein Essen von einem Paar Stäbchen zu einem anderen weiterreichen, denn das erinnert die Japaner an eine bestimmte Trauerzeremonie, bei der die Knochen der Verstorbenen mit zwei Stäbchenpaaren transportiert werden. Mit einem Esstäbchen etwas aufzuspießen gilt als ungehörig.

 

Das japanische Grundnahrungsmittel schlechthin ist Reis. Dieser wird mit besonderer Hochachtung behandelt. Das Wort "gohan" bedeutet sowohl "gekochter Reis" als auch "Essen". Und tatsächlich ist für Japaner ein Essen ohne Reis unvollständig. Daher sollte man gegen Ende des Essens auf jeden Fall zwei Schüsselchen reinen, gekochten Reis essen (dieser wird nicht mit Sojasoße oder ähnlichem gewürzt) und die Schüssel ganz leeren. Am Hausaltar wird den Toten ein Schüsselschen Reis geopfert. Um nicht daran (und damit an den Tod) zu erinnern, sollte man es eben nicht bei einem Schüsselchen bewenden lassen.

 

Es ist ein fester Bestandteil der japanischen Tischsitten, dass man sich gegenseitig Getränke nachschenkt. Wer sich selbst einschenkt, gilt als gierig und leicht ungehobelt.

 

Auch in Japan gibt es eine Mehrwertsteuer. In den Geschäften sind die Preise jedoch meist netto ausgezeichnet. Man sollte also berücksichtigen, dass an der Kasse noch etwa 5% draufgeschlagen werden.

Weiß ist die Farbe der Trauer und des Todes. Daher sollte man weder Geschenke in weißem Papier verpacken noch weiße Blumen schenken. Auch die Zahl vier ist ein Hinweis auf den Tod, denn sie wird „shi“ ausgesprochen und ist somit gleichlautend mit dem Wort für Tod. Daher meidet man in Japan nach Möglichkeit die Zahl vier. Ein Hotelzimmer mit der Nummer vier wird man vergeblich suchen und oft fällt dieser Scheu vor der Vier sogar ein ganzes Stockwerk zum Opfer.

Falls Sie zu einer japanischen Familie nach Hause eingeladen werden, so betrachten Sie dies am besten als großes Privileg, denn genau das ist es. Am Wohnungseingang zieht man die Schuhe aus, stellt diese so auf, dass sie mit den Spitzen in Richtung Ausgang zeigen und schlüpft in die bereitgestellten Pantoffeln. Gleiches gilt übrigens auch für japanische Gasthäuser. Für Badezimmer und Toilette gibt es spezielle Pantoffeln, die man ausschließlich dort anzieht. Bitte betreten Sie nicht mit den Toilettenpantoffeln die Wohnräume. Vor den Bereichen der Wohnung, die mit Tatami-Matten ausgelegt sind, zieht man auch die Pantoffeln aus. Zeigen Sie kein zu eingehendes Interesse für einen Gegenstand in der Wohnung. Ihr Gastgeber könnte sich genötigt fühlen, Ihnen diesen zu überlassen.

 

Das Baden dient in Japan nicht der Reinigung des Körpers, sondern ausschließlich der Entspannung. Bevor man in die Wanne steigt, wäscht man sich zunächst gründlich. Das Badewasser darf nicht verunreinigt werden, denn traditionell verwendet die ganze Familie dasselbe Wasser. Es gibt auch öffentliche Badehäuser, wo man sich in großen Becken der körperlichen Erholung und der Konversation hingibt. Es ist übrigens verpönt, dort Badeanzug oder Badehose zu tragen. In früheren Zeiten zerstreuten sich dort Männer und Frauen gemeinsam, inzwischen gibt es jedoch nach Geschlechtern getrennte Baderäume.

Eine gewöhnungsbedüftige Geste ist das Heranwinken, das in Japan mit der Handfläche nach unten geschieht und für uns eher wie ein Verscheuchen aussieht.

 

Tipp: In Japan macht man sehr gerne kleine Geschenke. Tun Sie es also den Japanern gleich. Verschenken Sie zum Beispiel etwas Ess- oder Trinkbares (Obst, alkoholische Getränke, etc). Die Ästhetik ist dabei noch wichtiger als der Inhalt. Verpacken Sie Ihr Geschenk unbedingt stilvoll, verwenden Sie dafür aber kein weißes oder sehr helles Papier und keine Schleifen (Hinweis auf Beerdigungen). Überreichen Sie es am Ende Ihres Besuches mit beiden Händen, als Zeichen dafür, dass Sie von ganzem Herzen schenken. Verschenken Sie nie eine ungerade Zahl oder gar vier von einer Sache, denn das bringt nach japanischer Vorstellung Unglück.

 

Die eine oder andere Anregung zu diesem Artikel stammt aus dem Buch Kulturschock Japan von Martin Lutterjohann. Darin referiert der Autor sehr kenntnisreich und anhand vieler praktischer Beispiele über die verschiedensten Aspekte der japanischen Kultur und Gesellschaft. Wer sich eingehender mit dem Thema Japan auseinandersetzen möchte, dem sei dieses empfohlen.

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