Wenn man Italien hört, denkt man sofort an Sonne, Strand, Urlaub, jede Menge Kultur, gutes Essen und unkomplizierte, fröhliche Menschen. Die Italiener sind uns in mancher Hinsicht ein Vorbild an Lebensfreude und Offenheit. Das sollte uns aber nicht zu der Annahme verleiten, man könne sich in Italien alles erlauben. Es gibt sehr wohl gewisse Regeln, an die man sich als Tourist am besten hält, um das Wohlwollen der italienischen Gastgeber nicht zu sehr zu strapazieren. Italien ist kulturell anders geprägt als Deutschland und in mancher Hinsicht noch ein recht traditionelles Land. Vor allem diese Traditionen gilt es als Gast zu respektieren.

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Fettnäpfchen:

Bei einem Restaurantbesuch wartet man zunächst am Eingang, bis der Kellner kommt und einem einen Tisch zuweist. Dann wählt man üblicherweise ein Gericht aus den "Primi piatti" (kleinerer erster Gang, sehr häufig Nudeln in verschiedensten Variationen) und eines aus den "Secondi piatti" (Hauptgerichte, meist Fleisch oder Fisch mit Beilagen) aus. Anders als bei uns in der Pizzeria um die Ecke isst man in Italien nämlich gerne ein komplettes Menü. Da man bei uns fast nur italienische Vorspeisen kennt, halten die Hauptgerichte der italienischen Küche mit ihren vielfältigen Zubereitungsarten und der reichen Auswahl an Kräutern viele positive Überraschungen bereit. Nach Lust und Laune kann man sich nach dem Hauptgang noch eines der "Dolci", also der Nachspeisen, auswählen.

Nach dem Essen nimmt man in Italien sehr gerne noch einen Kaffee. Wenn Sie sich nicht sofort als ahnungsloser Tourist outen möchten, passen Sie sich am besten der Landessitte an und bestellen einen Espresso. Der Cappuccino wird in Italien ausschließlich zum Frühstück getrunken. Die Rechnung wird für den ganzen Tisch ausgestellt und in einer Gesamtsumme bezahlt. Wenn Sie Ihren Anteil bestimmen wollen, so müssen Sie diesen selbst ausrechnen und sich untereinander abstimmen. Einer der Posten auf der Rechnung lautet "Coperto". Dies ist mit "Gedeck" zu übersetzen. Dieser Betrag landet komplett in der Kasse des Wirts. Da das Service-Personal in der Regel alles andere als fürstlich entlohnt wird, sollte man durchaus ein angemessenes Trinkgeld geben. 10% dürfen es schon sein.

Das Rauchen ist in Italien in öffentlichen Verkehrsmitteln und sämtlichen Lokalen verboten. Das Rauchverbot wird auch sehr streng eingehalten. Sie haben also nur die Möglichkeit, vor die Tür zu gehen, wenn Sie nicht ohne Glimmstengel auskommen.

Die italienischen Essenszeiten weichen etwas von den in Deutschland üblichen ab. Da der Arbeitstag normalerweise etwas später beginnt, findet auch das (sehr knappe) Frühstück später statt. Das Mittagessen ist da schon wesentlich üppiger. Es beginnt etwa ab 13 Uhr und zieht sich weit in den Nachmittag hinein. Da man in Italien, um die lange Mittagspause auszugleichen, auch länger in den Abend hinein arbeitet, ist die richtige Zeit für das Abendessen ab 20 Uhr gekommen. Dabei lässt man sich besonders viel Zeit und gibt sich in aller Ausführlichkeit den kulinarischen Genüssen und der Konversation hin.

Der Umgang mit dem Thema Pünktlichkeit ist bei unseren südlichen Nachbarn etwas lockerer als bei uns. Im Geschäftsleben sollte man so halbwegs pünktlich sein, eine kleine Verspätung wird aber gerne verziehen. Bei privaten Einladungen wird sogar erwartet, dass man ca. 10 bis 20 Minuten später kommt als angegeben.

In Italien legt man sehr großen Wert auf einen gewissen Stil. In der Öffentlichkeit bewegt man sich nicht in legerer Freizeitkleidung. Nur Touristen ziehen beim Stadtbummel Shorts und T-Shirt an. Einem Italiener würde es normalerweise selbst bei der größten Hitze nicht einfallen, von der üblichen langen Hose und dem Hemd abzuweichen. Vor allem wenn man eine Kirche besichtigen will (Schultern und Knie sollten bedeckt sein), ist es sehr angebracht, sich als Ausländer an die Sitten des Gastlandes anzupassen und damit seinen Respekt für die italienischen Gepflogenheiten kundzutun. Wer in Venedig von der Polizei in der Öffentlichkeit in Badehose oder Bikini aufgegriffen wird, muss sich inzwischen auf eine saftige Geldbuße einstellen. Es ist zu erwarten, dass andere italienische Städte nachziehen werden.

Das Küssen bei der Begrüßung (zuerst rechte Wange, dann linke Wange, der Kuss wird eher angedeutet) ist zwischen Männern und Frauen und zwischen Frauen üblich, wenn man gut bekannt oder befreundet ist. Der Status des guten Bekannten wird einem relativ schnell zuteil und man beteiligt sich dann am besten an diesem Ritual, sonst gilt man als kühl und distanziert. Männer untereinander begrüßen sich normalerweise per Handschlag.

Während wir im Umgang mit Titeln inzwischen sehr unkonventinell sind, legt man in Italien nach wir vor größten Wert darauf. Jemand, der sich einen akademischen Grad erworben hat, wird auch entsprechend als "ingegnere" oder "dottore" angesprochen.

Als Gastgeschenk eignen sich zum Beispiel verschiedene Nahrungs- oder Genussmittel (möglichst etwas Typisches oder Originelles aus der Heimat) oder aber ein Strauß Blumen für die Dame des Hauses. Nehmen Sie aber bitte keine Chrysanthemen, denn die werden in Italien ausschließlich als Grabschmuck verwendet.

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An den Stränden herrschen strenge Regeln, deren Nichtbeachtung leicht zu einer unfreiwilligen Spende an den italienischen Staat führen kann. So wird Wuffi am Strand nicht so gerne gesehen, laute Musik nicht so gern gehört und das Campen und Entzünden eines Lagerfeuers spricht bei den Hütern des Gesetzes keine romantische Ader an. Hüllenloses Sonnenbaden ist verboten, oben ohne wird inzwischen aber toleriert. Mit Handtüchern und ähnlichem Liegeplätze am Strand zu reservieren und nicht gleich in Anspruch zu nehmen ist gesetzlich verboten und kann saftig bestraft werden. Aktuelles Beispiel aus Ligurien: über 1000 € Bußgeld!

Seit Sommer 2008 duldet die Polizei kein Picknick mehr bei historischen Sehenswürdigkeiten. Man will damit einer Verschmutzung und Beschädigung von Kirchen, Brunnen usw. vorbeugen. Vorläufig werden Touristen, die beim Essen vor historischer Kulisse ertappt werden, lediglich "verscheucht", in Zukunft sollen allerdings auch Bußgelder verhängt werden.

Das Autofahren ist in Italien, wie in anderen Mittelmeerländern auch, wesentlich hektischer und ungeordneter als bei uns. Drängeln, die Vorfahrt nehmen und wild die Spur wechseln ist eine Art sportliche Übung. Gemäß dem Motto "Ich hupe, also bin ich", wird das akustische Warnsignal zum Kommunikationsmittel umfunktioniert. Von all dem sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Man schwimmt einfach im Verkehr mit und verhält sich passiv. Auf manchen unübersichtlichen Bergstraßen ist vor Kurven oder Tunnels das Hupen sogar vorgeschrieben. Achten Sie auf entsprechende Schilder.

Die wichtigsten Tabuthemen, die man im Gespräch am besten nicht anschneidet, sind, das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle, das die Menschen in allen Regionen aufregt, und im Süden das Thema Mafia, weil es die Menschen in den betroffenen Gebieten leid sind, dass sie ständig damit identifiziert werden.

Tipp: In Italien ist man sehr stolz auf seine sehr lange Tradition als herausragende Kulturnation. Einige anerkennende Worte über die großartigen Kunstschätze und die architektonischen Meisterwerke, die man bereits besichtigt hat, kommen bei italienischen Gastgebern sehr gut an. Auch die italienische Esskultur verdient Bewunderung. Falls Ihnen also die Ehre zuteil wird, bei einer italienischen Familie zu Hause eingeladen zu werden, versäumen Sie es nicht, einige lobende Worte für die vorgesetzten Speisen zu äußern. Es wird Ihnen bestimmt nicht schwer fallen!

Gourmondo - Taste the World!