Der Subkontinent Indien, mit seinen mehr als 1 Milliarde Einwohnern, hat als Touristenziel noch eher den Status eines Geheimtipps. In den letzten Jahren ist das Land vor allem als aufstrebende Wirtschaftmacht mit kompetenten Informatikspezialisten und cleveren Geschäftsleuten in unser Bewusstsein gerückt. Insbesondere für Geschäftsreisende gibt es gute Gründe, nach Indien zu fliegen. Dabei wird man entdecken, dass die Inder einerseits sehr fortschrittlich sind, sich aber andererseits, vor allem auf dem Dorf, an den Traditionen und an der Lebensweise der Menschen seit Jahrhunderten kaum etwas geändert hat. Das Kastensystem ist nach wie vor lebendig und Hierarchien sind für den Inder von großer Bedeutung. Und so ist Indien vor allem ein Land mit einer eigenwilligen aber spannenden Kultur, die es auf respektvolle Art und Weise zu entdecken gilt.

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Fettnäpfchen:

Damit man nicht gleich am Anfang seiner Studien- oder Geschäfsreise ausgebremst wird (denn indische Behörden arbeiten erstaunlich bürokratisch und gemächlich), sollte man vorab überprüfen, ob der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig ist. Auch ein vorläufiger Reisepass ist laut Informationen des Auswärtigen Amtes zulässig. Bei der zuständigen indischen Auslandsvertretung müssen Sie zudem vor Reiseantritt ein Visum beantragen, an der Grenze oder am Flughafen ist dies nicht möglich. Ab dem Ausstellungsdatum ist das Visum sechs Monate gültig. Auf der Website des indischen Bureau of Immigration können Sie sich über die Kosten und den Status nach einer Beantragung informieren. Übersteigt Ihr voraussichtlicher Aufenthalt den genehmigten Zeitraum, so müssen Sie sich vor Ort binnen 14 Tagen beim District Foreigners' Registration Office registrieren. Wenn Sie nicht innerhalb des genehmigten Zeitraums ausreisen, droht Ihnen ein mehrjähriges Einreiseverbot oder eine Haftstrafe.

Es wird keine Impfung vorgeschrieben. Malaria-Prophylaxe und die üblichen Impfungen sind jedoch zu empfehlen, bei landschaftlich geprägten Reisezielen zudem Impfungen gegen Tollwut, Meningokokken-Meningitis und japanische Encephalitits.

Wertvolle Gegenstände, wie Laptops, müssen Sie beim örtlichen Zoll in das Tourist Baggage Re-Export-Form eintragen, ansonsten könnten Sie bei der Ausreise Probleme bekommen. Geldbeträge in Fremdwährungen über 5.000 US-Dollar müssen bei der Einreise angegeben werden (Bargeld und Reieschecks).

Zur traditionellen, förmlichen Begrüßung legt man in Indien die Handflächen vor der Brust aneinander, wobei die Finger nach oben zeigen, und neigt den Kopf leicht. Im geschäftlichen Umfeld, besonders im Umgang mit Leuten aus dem Westen, ist inzwischen der Handschlag gang und gäbe. Insbesondere jüngere Leute begrüßen sich immer häufiger mit einem einfachen „hi“ oder „hello“.

Inder sind zwar äußerst gastfreundlich, kommunikativ und freundlich, vom häufigen Gebrauch von Höflichkeitsfloskeln hält man aber nicht sehr viel. Das Wort „dhanyavaad“ (danke auf Hindi) wird einem eher selten entgegenschallen, stattdessen erntet man viel eher ein breites Lächeln. Will man nicht als überkandidelt gelten, so passt man sich am besten ein Stück weit an.

Verwirrend ist für den Besucher aus dem Westen, dass die Inder während eines Gesprächs häufig scheinbar den Kopf schütteln. Dieses hin und her Wippen mit dem Kopf ist in Wirklichkeit ein Zeichen der Zustimmung. Es bedeutet so etwas wie „ja, ich höre dir zu“ oder „ja, du hast Recht“. In Indien kennt man jedoch auch das Kopfschütteln zur Andeutung einer Ablehnung. Dieses ist allerdings eine kürzere, abruptere Bewegung. Um beides unterscheiden zu lernen, muss man einfach die Leute einige Zeit beobachten.

In der ehemaligen britischen Kronkolonie Indien ist eine der beiden überregionalen Amtssprachen Englisch. Vor allem mit gebildeten Indern kann man sich problemlos auf Englisch verständigen. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass die Inder erstens eine Aussprache pflegen, an die man sich erst gewöhnen muss und zweitens eine Reihe von Ausdrücken in die Sprache integriert haben, die man aus Großbritannien oder den USA nicht kennt. Noch mehr Pluspunkte sammelt man jedoch, wenn man sich einige Wendungen der indischen Verkehrssprache Hindi aneignet, die übrigens mit den meisten europäischen Sprachen verwandt ist. Nützliche Lernmaterialien dazu finden Sie im Shop.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Welle von Touristen aus dem Westen, die die Vorstellung der Inder von uns Europäern stark prägte. Die Hippies hatten Indien als ihr gelobtes Land entdeckt, wo man sich dem Streben nach Erleuchtung, aber auch dem Konsum von Drogen, großen Mengen Alkohol und sexuellen Ausschweifungen hingeben konnte. Bei den sehr sittenstrengen Indern entstand so die Vorstellung von den leichtlebigen, ständig über die Stränge schlagenden Westlern. Wegen dieser Vorstellung sollte man sich zum Beispiel bei aller Art Rauschmitteln sehr zurückhalten und sich immer einigermaßen ordentlich kleiden. Als Mann sollte man auch keine jüngeren Frauen auf der Straße ansprechen.

Da viele Inder gar keinen Alkohol zu sich nehmen, erhält man alkoholische Getränke nur in relativ wenigen Lokalen und Läden, die für den Verkauf eine spezielle Lizenz benötigen. An bestimmten Feiertagen ist auch dort kein Bier, Wein oder Hochprozentiges erhältlich. Der Alkoholkonsum ist in Indien bei weitem nicht so akzeptiert wie in Europa. Daher sollte man als Ausländer Alkohol nicht in der Öffentlichkeit und ansonsten sehr dezent konsumieren.

Die meisten Inder bewundern andererseits den Westen auch sehr und versuchen ihm nachzueifern. Dies äußert sich häufig darin, dass Menschen aus dem Westen bevorzugt behandelt und sehr gerne auf der Straße angesprochen werden. Dabei ist die Frage nach dem Namen für Inder sehr wichtig. Beantworten Sie diese geduldig, auch dann, wenn Ihr Gegenüber größere Probleme hat, diesen zu verstehen. Besonders in abgelegenen Dörfern kann es passieren, dass der Exot aus dem Westen ungeniert angestarrt und neugierig verfolgt wird. Falls man auf der Straße ohne Anlass gefragt wird, was man will, so ist das nicht aggressiv gemeint, sondern einfach nur eine Form der Kontaktaufnahme. Auch ist es durchaus üblich, einen anderen zu berühren, um auf sich aufmerksam zu machen. Inder kommunizieren sehr gerne und kommen normalerweise gar nicht auf den Gedanken, dass jemand allein sein möchte. Sollte Ihnen das einmal lästig sein, dann wimmeln Sie gut gemeinte Gesprächsangebote nicht brüsk ab, sondern überlegen Sie sich besser eine plausible Erklärung, warum Sie gerade mit niemandem sprechen möchten.

Die meisten Inder würden gerne in den Westen reisen, werden aber aller Wahrscheinlichkeit nach nie Gelegenheit dazu haben. Deshalb werden Menschen, die von dort kommen, intensiv ausgefragt. Für Inder ist es auch selbstverständlich, dass sie den Fremden zu sich nach Hause einladen und sehr schnell zum Freund machen. Falls dahinter kein kommerzielles Interesse zu erkennen ist, kann man die Einladung ruhig annehmen und die sehr aufrichtige und herzliche indische Gastfreundschaft genießen. Falls dies nicht geht, sollte man einen guten Grund dafür angeben.

Stellt Ihr indischer Gesprächspartner fest, dass Sie aus Deutschland kommen, kann es leicht vorkommen, dass Ihnen wegen des "größten Deutschen", Adolf Hitler, verstärkte Bewunderung entgegenschlägt. Man betrachtet in Indien nicht so sehr dessen Verbrechen, sondern eher die Tatsache, dass er es mit den ungeliebten Engländern aufnahm und die Arier gut fand (eigentlich ein prähistorisches Volk ungeklärter Herkunft, das ca. 2000 v. Chr. nach Indien einwanderte). Aus Höflichkeit sollte man zurückhaltend positiv darauf reagieren, denn es ist ja freundlich gemeint, und schnell zu einem unverfänglicheren Thema überleiten.

Westliche Frauen gelten bei indischen Männern oft als leicht zu habendes Lustobjekt und es kann schon einmal vorkommen, dass man als Frau unsittlich berührt oder in den Hintern gekniffen wird. In dieser Situation muss man unbedingt sehr deutlich machen, dass man dies nicht duldet, alles andere wird als Zeichen des Einverständnisses gedeutet. Indischen Frauen würde es nie einfallen, oben ohne oder gar nackt zu baden. Zu viel Haut zu zeigen gilt als anstößig. Ebenso sollte man als Touristin verfahren, um dem beschriebenen gängigen Klischee von der Frau aus dem Westen entgegen zu treten.

Öffentliche Berührungen oder gar Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau gelten als unschicklich. Wenn man nicht verächtlich angesehen werden will, passt man sich am besten auch als Tourist einigermaßen an.

Gegenüber den Männern spielen indische Frauen nur die zweite Geige. Hierarchien gelten in Indien als gottgegeben und werden nicht in Frage gestellt. Die Unterordnung der Frau unter den Mann, des Jüngeren unter den Älteren und des Angehörigen einer niedrigeren Kaste unter den Angehörigen einer höheren Kaste ist ein ehernes Gesetz. Daher sollte man als Mann bei einer Einladung in eine traditionelle indische Familie der Dame des Hauses nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Gleiches gilt in wohlhabenden Haushalten für den Diener, der gegen wenig Geld einfach seine Aufgabe zu erfüllen hat und sonst nichts.

Mit den Schuhen kommt man in der Öffentlichkeit zwangsläufig mit allerlei Schmutz und Unrat in Berührung, der achtlos auf die Straße geworfen wird. Schuhe gelten daher als absolut unrein und werden daher am Eingang von Tempeln, Moscheen oder Privathäusern ausgezogen.

Falls Sie auf Ihrer Tour durch Indien religiöse Stätten besuchen wollen, machen Sie sich vorher mit den Besonderheiten vor Ort vertraut. Am besten Sie fragen beim Reiseveranstalter nach.

Das Essen wird in Indien auf großen Tellern serviert, auf denen verschiedenste Speisen stehen. Jeder bedient sich davon. Gegessen wird mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger der rechten Hand. Die linke Hand dient der Reinigung auf der Toilette, ist daher unrein und sollte auf keinen Fall benutzt werden. Das indische Standardgericht besteht aus Linsen mit Reis und wird immer wieder anders zubereitet. Indisches Essen ist zwar oft ziemlich fett, zum Teil auch sehr süß, darüber hinaus aber äußerst abwechslungsreich und vielfältig. Für den westlichen Gaumen hat es allerdings noch ein weiteres kleines Manko: Chilischoten sind, vor allem in den südlichen Landesteilen, eine sehr beliebte Zutat. Man sollte aus Höflichkeit Essen nicht ablehnen. Die Schärfe mildert man am besten ab, indem man dem meist zum Hauptgericht servierten Joghurt reichlich zuspricht. Will man ein Gericht partout nicht zu sich nehmen, kann man dies im Notfall mit einer medizinischen Notwendigkeit oder einer religiösen Pflicht begründen. Der Gastgeber wird dafür Verständnis zeigen.

Man sollte keine besonders hochstehenden Tischsitten erwarten. Nach dem Essen zu rülpsen, auszuspucken oder die Nase auszublasen wird als vollkommen normal angesehen.

Anders als in anderen Kulturen wird in Indien ein Gastgeschenk leicht als Beleidigung aufgefasst. Gerade noch akzeptabel sind Nahrungsmittel, am besten aus der Heimat. Zu bedenken ist dabei aber, dass die meisten Inder kein Rindfleisch essen (heilige Kühe!) und relativ viele Vegetarier sind und keinen Alkohol zu sich nehmen. Man sollte möglichst vorher herausfinden, welche Essensgewohnheiten der Gastgeber hat. Auf keinen Fall sollte man Geld anbieten! Möglicherweise fragt der Gastgeber allerdings ganz offen, ob sein Gegenbesuch bei Ihnen zu Hause willkommen ist. Bejaen Sie ruhig. Dass Ihr neuer Freund tatsächlich eines Tages vor Ihrer Haustür steht, ist sowieso unwahrscheinlich, und falls doch, haben Sie die Gelegenheit, sich zu revanchieren. Ihren Besuch sollten Sie nicht zu sehr in die Länge ziehen. Meist erwartet Ihr Gastgeber nach einem Essen und einem ausführlicheren Plausch, dass Sie sich verabschieden.

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Hat man es jedoch mit schlecht bezahlten, unwilligen indischen Beamten zu tun, so öffnen kleine Geschenke Tür und Tor. Oder anders ausgedrückt, Bestechung ist weit verbreitet. Natürlich sollte man sich als Tourist sehr zurückhalten, es kann jedoch unter Umständen notwendig sein, eine milde Gabe ins Spiel zu bringen, um ein dringend benötigtes Dokument rechtzeitig ausgestellt zu bekommen. Am elegantesten geht das mit Sachgeschenken, Geld ist problematischer.

Man würde es vielleicht nicht vermuten, aber die Inder sind uns voraus, nämlich um 4,5 Stunden im Winter (im Vergleich zur MEZ) und um 3,5 Stunden im Sommer. Dennoch ist der Umgang der Inder mit der Zeit komplett anders als bei uns im Westen. Man sieht es zwar sehr gerne, ja man erwartet es sogar, dass Menschen aus dem Westen (besonders Deutsche) pünktlich sind, man selbst nimmt es aber mit Terminen nicht so genau. Leider gibt es auch keinen Richtwert für das Zuspätkommen, wie in südeuropäischen Ländern. Ihr Gesprächspartner kommt entweder pünktlich oder eine Viertel Stunde später oder eine Stunde später... Auf keinen Fall sollte man sich über diesen laxen Umgang mit der Zeit erregen. Wer so leicht aus der Ruhe zu bringen ist, gilt als unausgeglichen.

Die überall spürbare Überbevölkerung zwingt die ansonsten eigentlich sehr geduldigen, freundlichen Inder, sich durchzusetzen. Dort, wo sich Schlangen bilden, wird gedrängelt, was die Ellenbogen hergeben, aus Angst, man kommt zu kurz. Als Ausländer muss man sich wohl oder übel anpassen und mitdrängeln, sonst wird man einfach übersehen. An manchen Bahnschaltern bieten Einheimische ausländischen Reisenden, natürlich gegen Bezahlung, an, sich für sie durchzuwühlen und die gewünschte Fahrkarte zu besorgen. Es ist durchaus erwägenswert, diesen Service anzunehmen.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Straßenverkehr wider. Wer mit den Verkehrsgewohnheiten in Südeuropa schon überfordert ist, sollte sich nicht mit dem Auto in einer indischen Großstadt bewegen. Vor allem in Kalkutta, aber nicht nur dort, herrscht das ungebändigte Chaos auf den Straßen. Jeder drängelt und erzwingt sich die Vorfahrt, um nur ein wenig schneller voranzukommen. Auf keinen Fall sollte man sich darauf verlassen, dass das Auto noch rechtzeitig halten wird, vor dem man die Straße überquert. Solche Experimente können leicht im Krankenhaus enden. Man sollte sich möglichst defensiv und umsichtig verhalten, ohne jedoch ein Verkehrshindernis zu bilden. Hinzu kommt, dass die meisten indischen Kraftfahrzeuge alles andere als verkehrssicher sind. Das einzige, was wirklich richtig zu funktionieren scheint, ist die Hupe, derer man sich gerne und häufig bedient.

Auf Indiens Straßen trifft man häufig Bettler an. Der tägliche Kampf ums Überleben zwingt viele, die keine andere Einkommensquelle haben, zu dieser Art des Broterwerbs. Es handelt sich also meist um echte Bedürftige und man kann in dem Bewusstein, wirklich etwas Gutes zu tun, eine kleine Spende geben. Allerdings sollte man dies sehr dezent und unauffällig machen. Lassen Sie sich aber nicht von Leuten beeinflussen, die geradewegs auf Touristen zugehen und bei denen die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass sie gezielt Ausländern das Geld aus der Tasche ziehen. Nur Sie entscheiden, ob und wem Sie etwas spenden!

Einige Berufsgruppen legen es gezielt darauf an, den reichen Westler übers Ohr zu hauen. Besonders berüchtigt sind die Taxifahrer. Wenn man sich ihnen anvertraut, sollte man sehr wachsam sein, möglichst einen festen Preis vereinbaren oder darauf achten, dass das Taxameter auch eingeschaltet wird. Als besonders fatal kann es sich erweisen, wenn man sich in ein Gespräch mit dem Fahrer einlässt, in dessen Verlauf er einem, psychologisch äußerst geschickt, klar macht, dass seine Familie kurz vor dem Verhungern steht und er deshalb unbedingt wesentlich mehr Geld als Entlohnung für seine Dienste benötigt.

Das Feilschen ist bei größeren Käufen allgegenwärtig. Wer sich nicht darauf einlässt und einfach den genannten Preis zahlt, genießt wenig Respekt. Wenn man einen guten Preis erzielen will, muss man vor allem viel Zeit und eine gehörige Portion Abgebrühtheit mitbringen. Zum Ritual gehört es, für die angebotene Ware zunächst nur geringes Interesse zu zeigen. Erst nach und nach, oft bei einer Tasse Tee oder einem kleinen Imbiss, nähert man sich an die Preisvorstellung des Verhandlungspartners an. Es kann auch sehr wirkungsvoll sein, am nächsten Tag wiederzukommen und dann das Feilschen fortzusetzen. Besondere Bedeutung nimmt für einen indischen Händler der erste Geschäftsabschluss des Tages ein. Beginnt der Tag gleich mit einem Erfolg, so gilt dies als gutes Omen für den ganzen Tag. Am frühen Morgen zum Einkaufen zu gehen, kann sich also lohnen. Selbstverständlich wird dem Ausländer, der von vornherein als sehr wohlhabend eingeschätzt wird, ein höherer Anfangspreis genannt, als einem Inder. Wer sehr geschickt ist und ein gehöriges Maß an Beharrlichkeit mitbringt, kann unter Umständen den tatsächlichen Kaufpreis bis auf ein Drittel des Startpreises drücken.

Inder können ausgesprochen empfindlich reagieren, wenn jemand Kritik an ihrem Land, einer kulturellen Eigenart oder einer Bevölkerungsgruppe übt. Die indischen Medien gehen mit diesen Themenbereichen äußerst vorsichtig um. Als Ausländer sollte man sich bei jeder Art Kritik gegenüber den indischen Gastgebern erst recht zurückhalten.

Inder lassen sich meist recht gerne fotografieren und schmeissen sich dann besonders in Pose. Trotzdem sollte man auf jeden Fall immer vorher fragen. Eine besondere Freude können Sie Ihrem Fotoobjekt machen, wenn Sie ihm einen Abzug zuschicken. Einige alte Leute haben jedoch Angst vor dem bösen Blick und wollen gar nicht abgelichtet werden. Das Fotografieren militärischer Einrichtungen sollte man unterlassen, um nicht in den Verdacht der Spionage zu geraten. Auch wenn Sie Ihr Objektiv auf stretegisch wichtige Brücken, auf Bahnhöfe oder Flughäfen etc. richten, könnte es zu hitzigen Diskussionen mit dem starken Arm des Gesetzes kommen. Bei traditionellen Totenverbrennungen, die am Ganges stattfinden, sollte man sich sehr zurückhalten und die Kamera lieber in der Tasche lassen, so groß die Versuchung auch sein mag. Viele Inder sehen es auch nicht gern, wenn ein westlicher Tourist gezielt Szenen extremer Armut fotografiert, wie man sie insbesondere in Kalkutta, aber auch anderswo, zu sehen bekommt.

Tipp: Die hygienischen Verhältnisse sind in Indien nicht mit denen bei uns vergleichbar. Daher ist es ratsam, in Restaurants zuerst die Toiletten aufzusuchen, die einen deutlichen Hinweis darauf geben, wie sehr oder wie wenig man dort auf Hygiene achtet. Um seiner eigenen Gesundheit willen sollte man es meiden, Leitungs- oder Brunnenwasser in jeglicher Form zu sich zu nehmen. Dies gilt insbesondere in der Zeit des Monsuns, je nach Region zwischen Juni und Oktober, wo man sich übrigens auch verstärkt vor Moskitos schützen sollte. Gekochtes Wasser in Tee oder warmen Gerichten ist unbedenklich. Kritisch wird es jedoch bei kalten Fruchtsäften, Speiseeis, Salat usw., die einerseits gerne mit Leitungswasser verdünnt bzw. angemacht, andererseits oft mit Eiswürfeln gekühlt werden. Weisen Sie am besten darauf hin, dass Sie beides nicht möchten.

Einige der zentralen Gedanken dieses Artikels stammen aus dem Buch Kulturschock Indien von Rainer Krack, das einen hervorragenden Einblick in die Kultur und das Alltagsleben Indiens bietet. Jedem, der sich eingehender mit dem Thema Indien auseinandersetzen möchte, sei dieses hiermit wärmstens empfohlen.