Großbritannien

Unsere Klischeevorstellung von Großbritannien lautet: Dort regnet es ständig und das Essen ist ungenießbar. Beides stimmt nur zum Teil. Vor allem in den östlichen Landesteilen sind die Niederschlagsmengen nicht höher als die deutschen Durchschnittswerte. Aber in Großbritannien herrscht ein maritimes Klima, das dazu führt, dass es wechselhaft ist und vor allem an den Westküsten sehr schnell umschlagen kann.

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Was nun die englische Küche angeht, so ist diese eher traditionell und schlicht und wartet teilweise mit gewöhnungsbedürftigen Kombinationen auf (die schon sprichwörtliche Pfefferminzsoße zu Lammkoteletts ist nur ein Beispiel). Die Einflüsse anderer europäischer Küchen sind nicht so spürbar wie in Deutschland, nehmen jedoch langsam zu. Unbedingt probieren sollte man das berühmte englische Frühstück, das sehr reichhaltig ist und eine gute Grundlage für einen langen Tag unterwegs bietet. In Großbritannien erhält man außerdem an jeder Ecke sehr gute und vielfältige Sandwiches. Am besten geht man in eine Bäckerei und lässt sie sich ganz frisch mit allen möglichen Zutaten belegen. Pizza bekommt man sehr häufig, diese wird meist auf amerikanische Art sehr üppig ausgestattet und reicht locker für zwei Personen. Wer sich nun wirklich nicht mit der englischen Küche anfreunden kann, dem steht als Alternative eine Vielzahl an chinesischen und vor allem indischen Restaurants und Imbissen zur Verfügung, die den Gast meist mit sehr gutem Essen verwöhnen.

 

Schwarzer Tee wird in Großbritannien tatsächlich zu allen Tageszeiten mit Vorliebe getrunken. „Tea“ oder auch „High Tea“ gibt es traditionell etwa um 5 Uhr Nachmittags. Dabei wird jedoch nicht nur ein Tässchen Tee serviert, sondern eine komplette, oft sehr üppige Mahlzeit.

 

Fettnäpfchen:

Da wir bereits beim Thema sind: Man sollte auf gar keinen Fall einen Briten darauf hinweisen, wie schlecht die heimische Küche ist. Für die Briten ist ihre Küche das Maß aller Dinge. Wenn sie diese für schlecht hielten, würden sie sie bestimmt ändern.

Unternehmen Sie bitte nicht den Versuch, den Mitessern einen guten Appetit zu wünschen. Es gibt im Englischen einfach keine passende Entsprechung dafür und der Brite verspürt auch gar nicht das Bedürfnis, eine derartige Äußerung zu machen.

 

Den Briten gilt es als unzivilisiert, den Löffel mit der Spitze voran in den Mund einzuführen. Man legt ihn lieber seitlich an die Lippen und lässt dann die Suppe hineinfließen. Die Gabel benutzt man nicht wie bei uns zum "schaufeln". Man spießt alles auf den Zinken auf, auch so schwierig zu handhabende Speisen wie Erbsen! Für uns Kontinentaleuropäer ist diese Art zu essen ziemlich knifflig, wenn Sie es schaffen, dann praktizieren Sie sie ruhig.

Das Rauchen ist in Großbritannien und Irland in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln sowie in sämtlichen Lokalen verboten. Das Rauchverbot wird auch sehr streng eingehalten. Sie haben also nur die Möglichkeit, vor die Tür zu gehen, wenn Sie nicht ohne Glimmstengel auskommen.

Zur Begrüßung gibt man sich in Großbritannien weit weniger häufig die Hand als bei uns. Ein "How are you?" ist dabei Teil des Begrüßungsrituals. Niemand erwartet darauf eine wahrheitsgemäße Antwort. Sehr wichtig ist es, sein Gegenüber konsequent mit "Mister" oder "Missis" und dem Nachnamen bzw. (wenn man gut bekannt ist) mit dem Vornamen anzusprechen. Alles andere gilt als zu kurz angebunden.

Das Thema Höflichkeit hat in Großbritannien, besonders in der Geschäftswelt, noch einen wesentlich höheren Stellenwert als in Mitteleuropa. Ausgezeichnete Manieren sind unverzichtbar. Man formuliert insbesondere Bitten sehr indirekt und verwendet ständig verschiedenste Höflichkeitsfloskeln, mit denen man sich vor seiner Großbritannienreise intensiver außeinandersetzen sollte. Ein weiteres Charakteristikum ist das typisch britische Understatement. Probleme werden heruntergespielt. Um die Lage realistisch zu beurteilen, muss man daher manches für sich wieder etwas "dramatisieren". Im Gegensatz dazu gibt man sich aber auch gerne äußerst angetan von Vorschlägen und Gedanken des Gesprächspartners. Auch hier muss man sich vieles in die eigene Denkweise "übersetzen".

So englisch es auch klingen mag, das Substantiv "Handy" ist ein deutsches Wort! In Großbritannien weiß niemand, was damit gemeint ist. Die korrekte englische Bezeichnung lautet "mobile phone" oder auch kurz "mobile".

Verfallen Sie nicht auf den abstrusen Gedanken, Briten sprächen Fremdsprachen. Sicher, auch an britischen Schulen wird Französisch, Spanisch oder sogar Deutsch gelehrt. Aber nur nebenbei und nicht so richtig ernsthaft. Schließlich spricht man die Weltsprache Englisch! Und vor allem in Großbritannien legt man großen Wert auf gutes Englisch, auch bei ausländischen Geschäftspartnern. Ob Sie es glauben oder nicht, die meisten deutschen Muttersprachler haben im Englischen einen sehr ausgeprägten, charakteristischen Akzent, der für Briten nicht immer leicht zu verstehen ist. Es lohnt sich garantiert, daran zu arbeiten. Falls Sie also Ihr Englisch aufpolieren möchten oder müssen, finden Sie dazu umfangreiches Material im Shop.

 

Geschäftliche oder wissenschaftliche Vorträge sind in Großbritannien etwas weniger analytisch. Es gehört zum guten Ton, zur Auflockerung einige unterhaltsame Elemente einzubauen.

 

Die Ziffer 1 schreibt man in Großbritannien als senkrechten Strich ohne Häkchen. Um Verwechslungen mit der 7 zu vermeiden, sollte man sich möglichst anpassen.

 

Sowohl Waliser als auch Schotten sind zwar Briten, aber auf keinen Fall Engländer! Halten Sie die drei verschiedenen britischen Völker sorgsam auseinander oder bleiben Sie einfach bei dem Ausdruck „Britain“ und „the British“. Die drei Länder bilden zwar seit 1707 eine politische Union, jedoch gibt es insbesondere in Schottland ein ausgeprägtes schottisches Nationalgefühl (das englische Frühstück heißt in Schottland zum Beispiel „schottisches Frühstück“).

 

Die Nordiren gehören zwar ebenfalls zu diesem staatlichen Gebilde, das offiziell „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland“ heißt, sind aber weder Engländer noch Briten, sondern ganz einfach „Nordiren“.

 

Der zweite Weltkrieg ist im Bewusstsein vieler Briten noch sehr gegenwärtig. Man ist sehr stolz darauf, den Krieg gewonnen zu haben. Die britischen Zeitungen greifen immer noch sehr gerne auf die deutsche Vergangenheit zurück, um die Auflagen zu steigern. Das Bild, das unsere britischen Nachbarn von uns haben, ist daher noch leicht verzerrt, normalisiert sich aber nach und nach. Die typisch britische Höflichkeit verbietet dies zwar, sollten Sie dennoch mit einer kritischen Bemerkung über die deutsche Vergangenheit konfrontiert werden, so gehen Sie nicht groß darauf ein. Weisen Sie allenfalls darauf hin, dass sich in den letzten 60 Jahren sehr viel verändert hat. Viele Briten waren bereits auf Reisen in Deutschland oder kennen jemanden, der dort war und reagieren sogar sehr erfreut, wenn sie jemanden aus Deutschland treffen.

 

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in Großbritannien gefragt werden, ob Sie aus Europa, vom Kontinent oder gar aus Übersee kommen. Bejaen Sie ruhig, denn die Briten sind sich ihrer Insellage sehr bewusst und betrachten sich als nicht so richtig zu Europa gehörend.

 

Signalisieren Sie niemals die Zahl zwei, indem Sie die Hand heben, die Handfläche zu sich gerichtet halten, die Finger anwinkeln und Zeige- und Mittelfinger ausstrecken. Dies gilt als obszöne Geste und ist gleichbedeutend mit einem ausgestreckten Mittelfinger bei uns.

 

Tipp: Eine Vorstellung, die sich bei den Briten sehr hartnäckig hält, ist, die Deutschen seien humorlos. Machen Sie sich einfach einen Spaß daraus und beweisen Sie das Gegenteil! Legen Sie sich ruhig die notwendigen englischen Ausdrücke für zwei, drei Witze zurecht. Sie werden im Normalfall auf dankbare Zuhörer treffen. Die eine oder andere Bemerkung darf auch ruhig mit einer Prise Ironie gewürzt sein.

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© Karl-Heinz Blos