„Leben wie Gott in Frankreich“, das kommt einem wohl als erstes in den Sinn, wenn man an unser westliches Nachbarland denkt. Und je mehr man sich in Frankreich aufhält, desto mehr wird einem bewusst, dass dieses Land tatsächlich ein Paradies der Mode, der Düfte, der ästhetischen Parkanlagen, der herausgeputzten mittelalterlichen Dörfer und nicht zuletzt des guten Essens ist. Sogar in der abgelegensten Landgaststätte trifft man oft auf einen Koch, der mit viel Können und Ehrgeiz traditionelle Kost bietet und die eine oder andere kreative Note setzt. So ein Menü ist (besonders seit der Euro-Umstellung) nicht unbedingt spottbillig, aber gönnt man sich auf einer Frankreich-Reise nicht ab und zu einen Restaurantbesuch, dann hat man wirklich etwas verpasst!

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Fettnäpfchen:

Wenn man ein Restaurant betritt, stürmt man nicht einfach an den erstbesten Tisch. Man wartet vielmehr am Eingang und teilt dem Ober mit, wieviele Personen eine Platz benötigen. Er wird dann in der Regel sehr umsichtig vorgehen und auch in einem scheinbar überfüllten Lokal noch Freiräume schaffen. Aus der Karte wählt man dann am besten ein Menü aus (à la Carte zu essen ist meist deutlich teurer) und bestellt alle Gänge, bis auf die Nachspeise. Dies holt man vor dem letzten Gang nach. Zum Schluss nehmen Franzosen in der Regel noch einen Kaffee.

Die französischen Essenszeiten weichen etwas von den in Deutschland üblichen ab. Da der Arbeitstag normalerweise etwas später beginnt, findet auch das (knappe) Frühstück später statt. Das mehrgängige Mittagessen ist da schon wesentlich üppiger. Es beginnt etwa ab 12.30 Uhr und zieht sich bis ca. 14 Uhr hin. Die richtige Zeif für das Abendessen ist allerfrühestens um 19 Uhr, eher aber ab 20 Uhr gekommen. Dabei lässt man sich besonders viel Zeit und gibt sich in aller Ausführlichkeit den kulinarischen Genüssen und der Konversation hin.

Frankreich gilt als das Land mit den strengsten Tischmanieren, wo jegliches Anzeichen von Schlürfen und Schmatzen absolut verpönt ist. Außerdem rückt man auch dem gebratenen Hähnchen, ja sogar dem Obst, das als Nachspeise gereicht wird, mit Messer und Gabel zu Leibe und faltet zu große Salatblätter mit dem Besteck. Man bläst nicht in die Suppe, um sie abzukühlen, hebt nicht den Teller an, um noch den letzten Rest herauszulöffeln, tunkt keine Soßenreste mit dem Brot auf. Überhaupft hält man von der typisch deutschen Angewohnheit, alles aufzuessen, was auf dem Teller liegt, nicht viel. Man lässt eher einen kleinen Anstandsrest zurück. Es stellt geradezu eine Beleidigung des Koches dar, wenn jemand bereits mit dem Salz- und Pfefferstreuer herumhantiert, bevor er das Gericht probiert hat. Man schneidet auf keinen Fall den Käse an der Spitze an. Käse bildet im traditionellen Menü den dritten Gang. Von der angebotenen Käseplatte probiert man zwei oder drei verschiedene Sorten, d.h. man schneidet sich mit dem beigelegten Käsemesser jeweils ein Stückchen ab. Bitte nicht die ganze Käseplatte niederrichten, das würde für Aufsehen sorgen! Nach dem Essen faltet man die Serviette nicht wieder zusammen.

Für die deutsche Sitte, die Rechnung getrennt zu bezahlen, bringt man in Frankreich wenig Verständnis auf. Man erhält eine Rechnung für den ganzen Tisch und rechnet sich am besten selbst den eigenen Anteil aus. Das Trinkgeld (üblicherweise um die 10%) schlägt man nicht beim Zahlen drauf, sondern hinterlässt es einfach auf dem Tisch oder in einem dafür bereit gestellten Schälchen oder Etui.

Unter einem Café versteht man in Frankreich etwas anderes als in Deutschland oder Österreich. Dort bekommt man zwar Kaffee und alle möglichen anderen Getränke, aber keinen Kuchen. Manchmal gibt es aber Sandwiches oder ähnliche herzhafte Kleinigkeiten. Wenn man auf etwas Süßes aus ist, besucht man den Salon de Thé, der meist an eine Bäckerei angeschlossen ist. Das Café ist - ebenso wie das Bisto oder die Bar - vor allem der Treffpunkt aller Altersgruppen und sozialen Schichten. Dort tauscht man sich aus und erfährt den neuesten Klatsch. Dass man zu seinem Getränk gleich die Rechnung bekommt, ist keine Aufforderung, bald wieder zu gehen. In französischen Lokalen darf und soll man sich Zeit lassen. Den abgezählten Betrag kann man übrigens einfach auf dem Tisch liegen lassen.

Bestellen Sie bitte in einer französischen Bäckerei kein Baiser. Im günstigeren Falle nimmt die Verkäuferin sonst an, Sie wollen unbedingt an Ort und Stelle geküsst werden. "Baiser" ist im Französischen aber auch ein ziemlich derber Ausdruck für "Geschlechtsverkehr haben". Das korrekte Wort für das Zuckergebäck lautet "meringue".

Die Franzosen konsumieren vergleichsweise viel Alkohol. Zum Essen trinkt man häufig (auch schon mittags) das obligatorische Glas Wein. Dennoch wird "einen über den Durst zu trinken" weit weniger toleriert als in manchen anderen Ländern. Genießen und ein vernünftiges Maß nicht überschreiten steht beim Trinken im Vordergrund.

Seit dem 1. Februar 2007 gilt in allen öffentlichen Gebäuden, außer in Gaststätten, ein absolutes Rauchverbot. Das Gesetz schreibt außerdem vor, dass es in Lokalen getrennte Raucher- und Nichtraucherbereiche geben muss. Die Suche nach dem Zigarettenautomaten wird in Frankreich übrigens ergebnislos verlaufen.

In den Augen der Franzosen ist Frankreich ein sehr bedeutendes Land, schließlich war es eine der großen Kolonialmächte. Vor allem die französische Sprache wird als die Kultursprache schlechthin betrachtet. In vielen Ländern, vor allem in Afrika, ist Französisch bis heute eine wichtige Verkehrssprache. Auf der Welt findet man sehr viele Territorien oder Inseln, in denen Französisch gesprochen wird, und die Franzosen bewegen sich mit Vorliebe in diesen Gegenden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Franzosen ihre Sprache neben Englisch als eine der bedeutendsten Weltsprachen ansehen. Dies hat zur Folge, dass man in Frankreich nicht so gern Englisch spricht, zumal das Verhältnis zu den britischen Nachbarn und zur amerikanischen Kultur sowieso etwas problematisch ist. Außer im Elsass darf man auch nicht damit rechnen, mit Deutsch durchzukommen. So ist es also äußerst empfehlenswert, sich wenigstens einige Grußformeln und Schlüsselsätze auf Französisch anzueignen. Es macht den Umgang mit den Franzosen wesentlich harmonischer, wenn sie merken, dass man ihre Sprache anerkennt. Umfangreiches Lernmaterial finden Sie im Shop.

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Echte Tabuthemen gibt es in Frankreich eigentlich nicht. Allerdings unterscheidet sich die grundlegende Haltung des überwiegenden Teils unserer westlichen Nachbarn zur Nutzung der Atomernergie stark von der vieler Deutscher. Ganz allgemein wird das Thema Umweltschutz nicht als so zentral betrachtet. Das ökologische Bewusstein der Franzosen wächst zwar, zum Beispiel gibt es immer mehr Bio-Produkte zu kaufen, aber dies ist ein langsamer Prozess. Jedenfalls lässt man sich zu dem Thema nicht gerne belehren. Auch wenn man gegen das französische Atomwaffenarsenal argumentiert, beißt man auf Granit, denn es handelt sich um ein Prestigeprojekt, das vor allem die herausragende Stellung der französischen Nation in der Welt unterstreichen soll.

Auch wenn man leicht den Eindruck gewinnen kann, dass man es in Frankreich mit Verkehrsregeln nicht so genau nimmt, so sollte man sich doch peinlich genau daran halten. Dies gilt vor allem für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen und Autobahnen. Die französische Gendarmerie steht gleich am Straßenrand und kassiert bei Verstößen jeglicher Art ein beträchtliches Sümmchen. Gelb markierte Bordsteine zeigen Parkverbot an, zusätzliche Schilder sucht man meist vergeblich. Im Bahnverkehr muss übrigens seit kurzem jeder Koffer einen Adressanhänger tragen.

Bei geschäftlichen Besprechungen ist es dem Franzosen wichtig, sein Gegenüber erst einmal zu "beschnuppern". Dies geschieht am liebsten bei einem Essen. Man macht zunächst Konversation, zum Beispiel über kulturelle Themen. Frühestens bei der Nachspeise kommt man dann zum Punkt.

Besonders bei Diskussionen wird sehr deutlich, dass die Franzosen ein eher südländisches Gesprächsverhalten pflegen. Man gestikuliert viel, spricht im Eifer des Gefechts auch mal etwas lauter und findet es nicht besonders unhöflich, dem anderen ins Wort zu Fallen. Wenn man als Ausländer sein Anliegen vorbringen will, kommt man meist nicht umhin, ebenfalls einfach dazwischen zu reden.

Insbesondere im geschäftlichen Umfeld sollte man nicht nur auf seinen Kleidungsstil achten, sondern auch eine gewisse Haltung wahren. Einen Fuß auf das andere Knie zu legen oder sich allzu entpannt zurück zu lehnen gilt als flegelhaft.

Mit Kritik oder Ablehnung geht man in Frankreich vorsichtiger um als bei uns. Ist man mit einem Vorschlag absolut nicht einverstanden, so formuliert man dies am liebsten sehr ausweichend. Man schätzt es auch nicht, wenn einem jemand (vor allem ein Ausländer) allzu ungeniert die Meinung sagt.

Wenn Sie zu einer französischen Familie nach Hause eingeladen werden (was ein großes Privileg ist!), kommen Sie am besten nicht überpünktlich. Eine Verspätung von rund einer Viertelstunde wird einkalkuliert.

Als Gastgeschenk eignet sich am besten etwas Ess- oder Trinkbares. Optimal ist natürlich eine Spezialität, die typisch für Ihre Region ist und die man dann natürlich noch nett verpackt.

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Die korrekte Begrüßung lautet tagsüber "Bonjour, madame!" (gegenüber einer Frau), ab dem frühen Abend "Bonsoir, monsieur!" (gegenüber einem Mann). Ohne die angehängte Anrede "monsieur", "madame" oder "mademoiselle" wirkt der Gruß etwas kurz angebunden und unter Umständen leicht unhöflich. In Frankreich reicht man sich zur Begrüßung nicht so häufig die Hand wie bei uns.

Wenn man auf Französisch oder Deutsch kommuniziert, stellt sich die Frage, ob man sein Gegenüber mit "Sie" ("vous") oder mit "du" ("tu") anspricht. Die Antwort darauf ist ziemlich einfach: Franzosen sind auf diesem Gebiet sehr förmlich. Die Duzkultur, die bei uns immer mehr um sich greift, gibt es in Frankreich nicht. Selbst junge Leute siezen sich häufig. Nur Freunde duzen sich untereinander.

Das Küssen, das man sehr oft beobachten kann, ist eine Geste, die engen Bekannten, Freunden und Verwandten vorbehalten ist. Als oberflächlicher Bekannter hält man sich am besten zurück. Sobald Sie jedoch den Status eines Freundes erreicht haben, werden Sie mit einbezogen und man erwartet von Ihnen die Einhaltung gewisser Regeln. Männer küssen sich untereinander nur, wenn sie ein sehr enges Verhältnis haben. Ansonsten findet diese Freundschaftsgeste regen Gebrauch. Das Küssen selbst ist stark ritualisiert. Man küsst nicht einfach drauf los. Vielmehr legt man zuerst die rechte Wange an die Wange des Gegenübers, dann die linke. Begleitet wird das ganze von einem typischen Küssgeräusch, es handelt sich aber dennoch nur um eine leichte Berührung und nicht um einen dicken „Schmatz“ auf die Wange.

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Wenn man mit Daumen und Zeigefinger einen Ring formt und die Hand in Kopfhöhe hält, so gilt dies als obszöne Geste, zumindest aber als Beleidigung.

Tipp: Der Franzose an sich ist eher Individualist. Das bedeutet aber nicht, dass er völlig unzugänglich ist. Besonders in der französischen Provinz (alles ist Provinz, außer Paris!) ist man zudem meist auch sehr höflich. Suchen Sie sich also einige Gruß- und Dankesformeln usw. aus dem Sprachführer heraus (siehe Shop) und geizen Sie nicht damit. Ihr Ansehen wird enorm steigen und Sie können zudem die Chance nutzen, das Bild des leicht distanzierten, kühlen Deutschen aufzupolieren.

Die eine oder andere Anregung zu diesem Artikel stammt aus dem Buch Kulturschock Frankreich von Gabriele Kalmbach. Darin referiert die Autorin sehr kenntnisreich über die verschiedensten Aspekte der französischen Kultur und Gesellschaft. Wer sich eingehender mit dem Thema Frankreich auseinandersetzen möchte, dem sei dieses empfohlen.